O Heiland, reiß die Himmel auf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: David-W- / photocase.de

Es wummerte unter meinen Füßen und auch mein Bauch geriet in Bewegung. Aus den Pfeifen der Orgel stießen die Fanfaren durch die Kirche und die Bässe brandeten an die Kirchenmauern.

Dem Organisten für unseren Adventsgottesdienst hatte ich gesagt:

„Ralf, lass uns beginnen mit dem Lied ‘O Heiland, reiß die Himmel auf‘. Und dann improvisiere doch ein wenig.“ Das tat er jetzt. Eindringlich flehten die Flöten: „Wann ist es endlich genug?“ Und der Prinzipalbass dröhnte: „Wann reißt der Himmel auf?“

„Improvisiere doch ein wenig“, hatte ich Ralf gesagt. Und mit allem gerechnet, aber nicht mit meinem Organisten. Nicht damit, dass seine Orgel die Kirche zum Beben bringen könnte. Ergriffen und bewegt saß ich in der Bank und hörte zu. Die Orgel rüttelte an der Empore. Und sie rüttelte an mir. Sie fragte mich: „Und was ist mit dir? Wo ist deine Sehnsucht hin? Worauf wartest du, was erhoffst Du in diesem Jahr?“  ––  Und dann: Stille.

In jenem Jahr hat mir die Orgel erklärt, was wir da eigentlich tun im Advent. Advent, das heißt Sehnsucht danach, dass Gott kommt. Ich sehne mich danach, dass Hoffnung den längeren Atem hat. Länger als Streit, länger als Trauer. Ich hoffe auf dich, mein Gott.

O Heiland, reiß die Himmel auf,
herab, herab vom Himmel lauf,
reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
reiß ab, wo Schloss und Riegel für.

Der Autor

Marco Müller

Marco Müller

Studieninspektor am Predigerseminar Loccum