Vom Nikolaus aus dem Versteck gelockt

von Studieninspektor Jürgen Plötze

Bild: lemélangedesgenres / fotolia.com

 

Ich bekam Angst

Wenn ich draußen vor dem Haus die Stimme hörte und eine fremde Gestalt an die Haustür klopfte, hatte ich mich schon versteckt, unter dem Tisch, hinter dem Sofa, im anderen Zimmer. Ich hoffte, dass er kommen würde, jedes Jahr von neuem. Aber wenn er dann plötzlich vor mir stand mit seinem langen Bart und einer Rute in der Hand bekam ich Angst. Es dauerte lange bis ich im roten Mantel unseren Nachbarn erkannte. Und noch viel länger dauerte es bis ich begriff, dass dieser Umhang eigentlich das Gewand eines Bischofs war.

Man kann ja doch was machen

Von Nordhorn bin ich später oft nach Holland hinübergefahren. Und da begegnete mir der Nikolaus stets in einem Ornat,
mit einer schönen Mitra und einem stattlichen Krummstab. Ein guter Hirte eben. Dort nahm ich dann auch wahr, wie er als Bischof von Myra den Menschen geholfen hat. Ein paar Mädchen, junge Frauen schon, fürchteten bereits sich selbst verkaufen zu müssen, als er ihnen zu einer Aussteuer verhalf. Drei Jungen waren in die Hände von Menschenfängern geraten, er bewahrte sie vorm sicheren Tod. Und schließlich soll er die ganze Stadt gerettet haben, als eine lang andauernde Hungersnot das Leben bedrohte. Den überteuerten Weizen bezahlte er mit den Schätzen seiner Kirche.

Die Dinge müssen nicht so bleiben wie sie sind. Man kann ja doch was machen – diese Zuversicht brauche ich – gerade, wenn ich mich mal wieder zurückziehen und verstecken will, manchmal auch als Erwachsener noch.

Der Autor

Jürgen Plötze

Jürgen Plötze

Studieninspektor am Predigerseminar Loccum